Dienstag, 25. September 2012

ÜBER HARALD SCHMIDT: SENDERWECHSEL




Wir schreiben das Jahr 2012 und wir sind nicht Wikipedia:
Harald Schmidt ist im September von Sat.1 zu Sky gewechselt.

Wie sich das entwickeln wird, weiss man noch nicht genau. Die ersten Quotenergebnisse sind aber schlecht.
Eine Sendung kann auch gut sein und schlechte Quoten haben, z. B. bei Wissenschaftssendungen.
Das ist aber nur manchmal so.

Harald Schmidt hat vieles so gelassen, wie es war: Das Studio ist dasselbe, die Einrichtung ist ähnlich und im Team hat sich auch nichts Grundlegendes geändert.
Wie seine Witze sind, kann man ohne Sky-Abo nicht genau beurteilen. Von dem, was durchsickert, muss man sagen, dass er wieder besser drauf ist als in seiner Langeweile-Phase vor Pocher bei der ARD.

Harald Schmidt hat nun oft den Sender gewechselt. Angefangen hat er in der ARD. Dann ging er zu Sat.1, dann wieder zur ARD, dann wieder zu Sat.1 und jetzt zu Sky. Und oft hat er nach dem Wechsel über seinen ehemaligen Sender gelästert. Davor war Harald Schmidt aber schon auf vielen Bühnen tätig - sowohl im Theater als auch im Kabarett.


ARD

Harald Schmidt gelangte von den Dritten zum Hauptprogramm der ARD. Die Sendung "Schmidteinander" mit Herbert Feuerstein galt als sehr erfolgreich. Für viele Schmidt-Fans blieb sie immer das "Original". Sicher brachte sie viele neue Ideen, aber man darf sie auch nicht verklären: Zu oft war der Satz zu hören "bei Schmidteinander war er besser" und zu oft stimmte er NICHT: Schmidt traf bei Schmidteinander nicht immer das Timing und hatte die Angewohnheit, wirklich alles durch die humoristisch-zynische Brille sehen zu müssen. Auch zog er verunglückte Gags immer wieder hoch.
Ausserdem: Viele haben ein idealisiertes Schmidteinander-Bild, weil in der ARD immer wieder die Best-of-Wiederholungen zu sehen sind!
Harald Schmidt moderierte bei der ARD verschiedene Sendungen und bekam dann auch "Verstehen Sie Spass..?" übertragen. Dort machte er allerdings den Fehler, aus einer Samstag-Abend-Sendung eine Harald-Schmidt-Show zu machen. Schliesslich zog die ARD die Notbremse und Harald Schmidt wollte dann auch Schmidteinander nicht mehr weitermachen. Herbert Feuerstein soll ihn darauf als "Arschloch" tituliert haben.
Das ist aber nicht genau belegt.


Sat.1

Auf jeden Fall machte Schmidt erstmal wieder Kabarett (Schmidtgift) und ging dann zu Sat.1. Angeblich soll er beim Wechsel von Gottschalk, Egner und Jauch unterstützt worden sein. Gottschalk war offenbar sauer, dass er mit seiner eigenen Late-Night-Show nicht durchgekommen war. Erzählungen über einen Trip im VW-Bus zu Leo Kirch machten die Runde. Schmidt hat aus dieser Zeit auch Kontakte zu den Produzenten Fred Kogel (damals Geschäftsführer von Sat.1) und Jörg Grabosch. Für das kreative Material war zunächst Graboschs Firma "Brainpool" zuständig, ab 1998 aber die Schmidtsche Firma Bonito. Parallel dazu wurde das Studio "Capitol" gegen das Studio "449" ausgetauscht.
Schon nach seinem ersten Wechsel zu Sat.1 machte Harald Schmidt Witze über seinen Senderwechsel. Später sollte er das wiederholen.
In Einspielvideos zeigte er, wie lausig er in der ARD gelebt hatte und wie luxuriös es dann bei Sat.1 wurde. In einem Interview sagte er "Wenn Sie mal Claudia Schiffer gebumst haben, ziehen Sie auch nicht mehr zu ihrer Mutter!". Er schloss also die Rückkehr zum Muttersender aus.
Ende 2003 verliess Schmidt dennoch den Sender und kehrte nach einer ca. einjährigen Kreativpause mit Kreuzfahrt Ende 2004 wieder zur ARD zurück. Über die Gründe der Rückkehr kursieren verschiedene Versionen. Schmidt behauptete, es läge am neuen Senderchef Roger Schawinski. Über dessen neues Buch machte er noch zu Sat.1-Zeiten deftige Witze.
Andererseits hat Schmidt einige Monate vor seinem überraschenden Abgang vom Sender eine Sendung pro Woche mehr abgeliefert. Gleichzeitig soll er noch kurz zuvor in einer anderen Show verraten haben, dass er bei Sat.1 weitermachen wolle. Der Entschluss zum Wechsel muss also sehr kurzfristig gefallen sein.
Kritische Beobachter hat Schmidts Begründung etwas verwundert: Man fragte sich, wie er Schawinski damals überhaupt so genau gekannt haben konnte. Schawinski war von Ende 2003 bis Ende 2006 Senderchef. Als Nachfolge für Harald Schmidt wählte er Anke Engelke, deren Show aber nicht ankam.
Im Jahr 2012 behauptete Schawinski, als er gegen Schmidt im Schweizer Tages-Anzeiger im März 2012 nachkartete, Schmidt habe ihm nach seinem Wechsel den wahren Grund für selbigen genannt: Er sei ausgebrannt gewesen! Ausserdem bezeichnete er Schmidt als "geldgeil", "parasitär" und als "Zyniker".


ARD 

In der ARD hatte Schmidt Ende 2004 einen launigen Einstand mit anfangs wilder Frisur. Er begann gleich mit zur damaligen Zeit passenden Witzen über Josef Ackermann und konnte durchaus an seine alte Kreativität anknüpfen. Schmidts Team blieb auch relativ konstant. Produziert wurde die Sendung jetzt von Bonito und der Kogel & Schmidt GmbH.
Bald wirkte Schmidt allerdings oft sehr gelangweilt.
Interessant ist auch, dass Harald Schmidt, der vorher bei Sat.1 noch über die ARD gelästert hatte, jetzt über Sat.1 herzog und den Sender als "Unterschichtenfernsehen" bezeichnete.
Auch hatte Schmidt keine Lust mehr, sehr viele Sendungen pro Woche abzuliefern. Stattdessen unternahm er zwischendurch Reisen oder trat auf Theaterbühnen auf.
Um eine gewisse Langatmigkeit und sinkende Quoten auszugleichen, entschied sich Schmidt - es war wohl seine Entscheidung - zusammen mit Pocher als Co-Moderator eine etwas erneuerte Sendung zu machen, mit der man auch jüngeres Publikum erreichen konnte.
Doch diese Rechnung ging nicht auf. Stattdessen kam es zwischen Schmidt und Pocher zu Reibereien.
Schmidt machte Pocher mehrfach vor Publikum herunter und versuchte, seine Erfahrung gegen Pocher auszuspielen.
Zu Oliver Pocher kann man sagen, dass seine Witze von Kritikern als zu unreif und wenig kreativ hingestellt werden. Was seinen politischen Humor betrifft, mag das stimmen, aber seine Parodien v. a. von Sportlern sind sehr gut. Pocher wurde auch von ARD-Funktionären kritisiert - besonders aus dem Südwesten. Besonderen Anstoss fand sein Auftreten als Strauffenberg in Wehrmachtsuniform. Allerdings hat auch schon Schmidt viele Nazi-Parodien abgeliefert, die jetzt anscheinend nicht mehr negativ zu Buche schlugen.
Am Ende zog Schmidt selber die Notbremse und kündigte seinen Rückwechsel zu Sat.1 an.
Dabei beschwerte er sich deutlich, dass die ARD schlecht organisiert sei und sich niemand für ihn zuständig fühlte.
Schmidt kartete nach seinem Abschied bei der ARD auch noch mehrmals gegen Oliver Pocher nach. Im stern und in stern online gab er im April 2009 zum besten: "Wenn er zu sehr störte in einer Redaktionskonferenz, dann habe ich ihm auch schon mal direkt gesagt: 'Halt die Fresse.' Damit war es geregelt. Auf Zwischentöne zu setzen, dazu ist das Geschäft zu schnelllebig, finde ich. Aber prinzipiell verstehen wir uns sehr gut. Und privat - null Kontakt."
Trotz einiger Fehltritte Pochers ist das ein bedenkliches Nachtreten. 


Sat.1


Für die Rückkehr zu Sat.1 stellte Schmidt zur Bedingung, dass er wieder mit seinem altbewährten Produktionsteam arbeiten konnte. Zuerst fragten sich viele, ob dieser erneute Wechsel zu Sat.1 nicht ein Wechsel zuviel sei. Die bisherige Reihenfolge war: ARD - Sat.1 - ARD - Sat.1. Schmidt hatte ja selber in diversen Interviews gesagt, dass man, wenn man einmal ein gutes Projekt in den Medien am Laufen habe, dieses auf jeden Fall halten soll!

Dann war es aber zunächst so, dass Harald Schmidt ab September 2011 wieder mit hoher Motivation auftrat und einige dachten, dass es jetzt mit neuem Schwung bei Sat.1 weitergehen könnte. Doch die Quoten blieben niedrig und sanken zuletzt weiter. Dann zog der Sender im März die Notbremse und Harald Schmidt musste Sat.1 im Mai verlassen.
Während Harald Schmidt den Wechsel Sat.1-ARD und den Rückwechsel zu Sat.1 noch selbstbestimmt vornehmen konnte, verlief dieser Wechsel nun wieder unfreiwillig. 


Sky

Harald Schmidt liess sich aber diesmal nicht auf lange Diskussionen und Pausen ein und verkündete schnell seinen Wechsel zum Bezahlsender Sky. Wie die Sendung sich dort weiterentwickelt, bleibt abzuwarten. Bis jetzt sind die Quoten niedrig. In Deutschland gibt es so viel sog. Free TV, dass sich das Konzept des Pay TV bisher nicht so richtig durchsetzen konnte. Andererseits will der Sender Sky sein Angebot differenzieren. 




Donnerstag, 23. August 2012

DER MENSCH UND DIE IDEOLOGIE

Wir haben in einem vorhergehenden Kapitel die Welt in Basis und Überbau, also Materie und Geist getrennt. Für Überbau bzw. Geist kann man auch Bewusstsein, Ideenwelt, Ideologie o. ä. sagen.
Es ist sehr interessant, sich mit diesem Überbau einmal genauer zu beschäftigen, denn er stellt ja unser Ich - entweder einzeln oder kollektiv (als Gruppenwahrnehmung) - dar.

Menschen haben, soweit wir wissen, zu allen Zeiten irgendwelchen Ideologien und Glaubenssystemen angehört. Zumindest gilt das für die geschichtliche Zeit, also die, für die schriftliche Quellen vorliegen.

Dabei ist eines erstaunlich: Die Menschen wachsen in einem ideologischen Raum auf, in dem sie früh mit der entsprechenden Ideologie in Kontakt kommen und übernehmen diese meistens kritiklos. Sie sind sich offenbar nicht bewusst, dass sie nur zufällig in diesen ideologischen Raum geboren (frei nach Heidegger: geworfen) wurden. Die Sozialisation übernehmen dann Institutionen wie Familie, Schule usw. (Althusser: Ideologische Staatsapparate). Menschen sind aber nur selten fähig, diese Thematik rational oder wissenschaftlich-analytisch anzugehen. Im Gegenteil: Es ist sogar so, dass selbst Wissenschaftler auf diese Täuschung hereinfallen und sich austricksen lassen.
Man kann ebenso kategorisierend wie böse sagen: Die Menschen sind Folger von Führern!

Wer den Kalten Krieg noch erlebt hat, kann das eindrucksvoll bestätigen. Ganz Osteuropa und viele Teile der Welt waren damals rot. Ihre Systeme und ihr Bewusstsein waren sozialistisch oder kommunistisch. Nach der Wende um 1990 drehte sich das Bewusstsein der Menschen ganz plötzlich. Das davor schien wie weggeblasen. Einige Menschen mögen sich damals auch an den kollektiven Bewusstseinswandel um 1945 erinnert haben, nur waren Nationalsozialismus und Faschismus nicht so lange am Ruder. Ihre Niederlage war aber nur knapp.

Ähnlich ist es mit religiösen Ideologien. Viele Menschen glauben mit voller Inbrunst an eine Religion wie Christentum, Judentum oder Islam, obwohl sie nur zufällig in einem bestimmten religiösen Gebiet geboren wurden. Es ist doch völlig lächerlich zu glauben, dass man an eine Religion deshalb glaubt, weil ein bestimmter "Erlöser" so überzeugende Argumente hat. Die meisten Menschen glauben an die Ideologie, die eben in ihrem ideologischen Raum vorherrscht. Nur in Einzelfällen sucht sich jemand freiwillig und bewusst eine bestimmte Ideologie aus.
Ideologien wie das Christentum oder das Islam haben übrigens nur zufällig so deutlich gewonnen. Bei den Christen z. B. verliefen viele Schlachten gegen die Heiden denkbar knapp. Das hätte auch anders ausgehen können, so dass heute die Menschen an die Ideologie der Gegner glauben würden - man kann das zwar nicht streng wissenschaftlich beweisen, aber es ist doch sehr wahrscheinlich.

Ebenso verhält es sich auch mit den Religionen des antiken Mittelmeerraumes und seine Umgebung, wie denen der Ägypter, Akkader oder griechischer Poleis. Bei ihnen schwingen neben religiösen Momenten noch sehr viele patriotische mit. Die Religion stellt die Dinge der Welt so dar, dass die eigene Gruppe nicht nur zufällig gegenüber allen anderen moralisch im Recht ist, sondern gleichzeitig auch allen anderen überlegen.





Donnerstag, 16. August 2012

KIRCHENAUSTRITT

Der Kirchenaustritt hängt in Deutschland sehr stark von den Behörden der einzelnen Bundesländer ab.
Die Gebühren dafür können zwischen 0 und 50 € betragen.
Ein Austritt erfolgt traditionell persönlich beim Standesamt, bedingt aber auch beim Notar.
Dazu muss man sich ausweisen (Personalausweis oder Reisepass). Manchmal ist auch ggf. eine Heiratsurkunde oder ein Familienbuch nötig.
In einigen Bundesländern erfolgt der Kirchenaustritt stattdessen beim Amtsgericht. Selten geht es sogar bei der betreffenden Kirche selbst.


Dienstag, 14. August 2012

GLOSSEN


Medial wird immer wieder behauptet, wie wichtig Bildung sei.
Das stimmt aber nicht ganz: Es sind nur bestimmte Bereiche aus dem Gesamtspektrum der Bildung wichtig.

Darauf muss auch eingegangen werden: Es geht nicht darum, dass man die Bildung nur auf die berufliche Bildung verengt, aber die berufliche Bildung muss auch eine starke Repräsentanz haben.

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In der Geschichtsbetrachtung gibt es heute viele verschiedene Ansätze.
Ein Ansatz kommt aber klar zu kurz: Die Bewusstseinsgeschichte.

Man fragt sich zu selten - vom Subjekt ausgehend - wie die Menschen ihre Welt erlebt haben, d. h. man versetzt sich nicht richtig in den Kopf der Menschen.

Wenn man z. B. Geschichtsquellen sichtet, dann haben die Menschen lange Zeit ein stark religiös geprägtes Bewusstsein gehabt. (Und somit hatten sie aus atheistischer Sicht ein falsches Bewusstsein.)
Julian Jaynes hat das als Psychologiehistoriker oder historischer Psychologe sehr weit erforscht. Aber es gibt nicht viele, die ihm dabei gefolgt sind.



Die Bewusstseinsgeschichte ist auch nicht deckungsgleich mit der Geistesgeschichte, die sich z. B. mit der Geschichtsphilosophie Hegels befasst. Bewusstseinsgeschichte heisst, nach Möglichkeit im Kopf des betrachtenden Subjektes zu sein. Im Gegensatz dazu beschäftigt sich z. B. die Sozialgeschichte mit gesellschaftlichen Gruppen, Klassen, Schichten (Typisierung) und ggf. mit gesellschaftlichen Statistiken.
Das ist auch wichtig, sieht die Menschen in der Geschichte aber von aussen.

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Ein beliebtes Thema, das auch immer wieder auftaucht, ist das Thema 68er oder genauer gesagt die Gegenkultur der 60er-Jahre.

Auch wenn in der damaligen Zeit aus einem revolutionären/revoltierenden Geist viel Unsinn (i. e. Mist) gedacht wurde, muss man aufpassen, nicht alles von dem damals Erdachten auf den Abfallhaufen der Geschichte zu werfen.

Es ging darum - beeinflusst auch von der Gegenkultur aus Kalifornien - einmal mit Marx, Freud und anderen gegen den Strom zu denken. In Deutschland entstanden daraus viele Zeitschriftenprojekte. Einige davon, z. B. die "Ketzerbriefe" nahmen seltsame Wege.

Die Literatur zu dem Thema ist vielfältig. Wir empfehlen aber neben der Masse von Publikationen v. a. Theodore Roszaks "Counterculture" und Rolf Uesselers 68er-Buch (und dort v. a. die US-Passagen).

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Ein interessantes historisches Forschungsthema wäre auch das Thema "Verrat".

Es ist erstaunlich, wie schnell Machtmenschen lavieren können und ihre eigentlich patriotische Gesinnung für klassen- oder schichtenspezifische Interessen aufgeben.

Ein Beispiel dafür sind die "Hetairien" und transpolische Netzwerke der Macht im antiken Griechenland.
So kollaborierten Oligarchen gerne von Polis zur Polis miteinander oder sogar mit dem persischen "Aussenfeind".

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Uns fällt immer wieder auf, dass es im Geschichtsunterricht und damit auch im Geschichtsbild "schwarze Flecken" gibt:

Das 4. Jahrhundert in Griechenland vor Alexander dem Grossen ist nicht oder kaum bekannt, obwohl dort viel Wichtiges passiert ist.

Die Spätantike inklusive Justinians Regierungszeit und die byzantinische Geschichte sind kaum bekannt.

Ebenso gehen die Machtkämpfe auf den Britischen Inseln nach dem Abzug der Römer im kontinentalen Geschichtsunterricht unter.

Der Hundertjährige Krieg wird (im heutigen Geschichtsunterricht) sträflich vernachlässigt.

Die Geschichte indigener Völker ist kaum bekannt. Das schliesst auch die frühe Geschichte der europäischen Besiedlung Nordamerikas mit ein.

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Politologe - Politiker - Politischer Mensch

ALTE SPRACHEN
oder: VOM NUTZEN UND NACHTEIL DER ALTPHILOLOGIE FÜR DAS LEBEN
(frei nach Nietzsche)


Das Thema "Alte Sprachen" wird in Bildungsforen im RL und im Internet gerne heiss diskutiert.

Das geschieht meist vor dem Schulhintergrund, aber auch universitär und spaltet dialektisch in Extrempositionen wie "unnützer, alter Kram" oder "Rettung des Abendlandes". Das wollen wir hier so nicht tun.

Die hier vertretene Position ist trotzdem äusserst kritisch gegenüber den alten Sprachen. Das wird einige verwundern, weil wir in unsere Beiträge manchmal Rückbezüge auf die Antike einbauen. Die distanzierte Einstellung zum Altsprachenunterricht kommt daher, dass der berufliche Nutzwert fast nicht vorhanden ist und auch daher, dass der berufliche oder sonstige Nutzen von alten Sprachen von deren Verteidigern oft manipulativ überhöht und geradezu erlogen wird. Das macht einen Altsprachenzwang für die vielen, die es nicht unbedingt beruflich brauchen (z. B. in der Wissenschaft) immer fragwürdiger.

Wenn man die Alten Sprachen allerdings als Hobby wählt, sieht die Sache etwas anders aus:
Wir betrachten also die Alten Sprachen als Hobby, das man freiwillig wählt oder eben nicht wählt. Sicher kann man sie/es auch "institutionalisieren", also in der Schule lernen oder an der Uni studieren. Für uns geht es hier aber nicht um "Pflichtunterricht".
Uns geht es auch nicht nur um Latein oder Latein und Altgriechisch, sondern auch weitere alte Sprachen.

Wir haben weiter unten Pro-Argumente, Pseudo-Pro-Argumente und Anti-Argumente gegenübergestellt. Auch die Gefahren des Lernens Alter Sprachen sollte man nicht verheimlichen.

Wir wollen aber zuerst die Frage beantworten: Welche Altsprachen sind aus europäischer Sicht interessant?
(als Hobby!)

Und da empfehlen wir 4:
1. Latein
2. Griechisch
3. Ägyptisch (Mittelägyptisch)
4. Hebräisch

Latein ist sicher am naheliegendsten, weil es in die europäische traditionelle Allgemeinbildung eingegangen ist.
Allerdings sind die lateinischen Schriften für einen rational-analytischen Leser gar nicht so interessant.
Wir halten daher Altgriechisch von der Literatur her für interessanter, von der Schriftentwicklung sogar Ägyptisch. Ägyptische Texte sind manchmal auch literarisch interessant, aber nicht so rationalistisch wie die griechischen.
Von den Griechen kann man gut die Historiker lesen und Naturwissenschaftler bzw. -philosophen wie Aristoteles. Von den Ägyptern könnte man politisch Thutmosis III., Echnaton und Ramses lesen. Literarisch z. B. die "Klagen des Bauern (Oasenmannes)".
Hebräisch kann man lernen, weil es für die jüdische und christliche Gedankenwelt und ein bisschen für die antike Geschichte relevant ist, aber man darf es auch nicht überbewerten.

Lernbar sind alle 4 von den oben genannten. Das Germanische und das Gallische wären auch interessant, aber das Germanische wurde über das Gotische erst in der Spätantike kodifiziert und das Gallische ist uns fast nur über kurze Inschriften überliefert. Immerhin kennen wir aber inzwischen den wichtigsten Wortschatz. Es ist auch nicht so, dass die Gallier nur mündlich überlieferten, wie manche durch die Cäsarlektüre immer noch glauben.

Weitere interessante Alte Sprachen sind Akkadisch (Assyrisch-Babylonisch), Altpersisch, Sanskrit und klassisches Chinesisch.

Ein Hauptfehler des Herangehens an Alte Sprachen ist unserer Meinung nach die Dominanz der humanistisch-philologischen Annäherung. Man sollte sich ihnen lieber historisch-politisch oder naturwissenschaftlich nähern. Aber das bleibt natürlich umstritten und ist Ansichtssache.
Die Menschen der Antike waren politisch handelnde, arbeitende und erfindende Subjekte und nicht bloss Hexameter-Rezitierer.


Pro-Argumente: Vom Nutzen der Alten Sprachen

- Alte Sprachen können zunächst einmal von Interessierten als Selbstzweck gelernt werden.
(daneben gibt es aber auch diverse Nebeneffekte:)
- Alte Sprachen fördern die Allgemeinbildung.
- Alte Sprachen fördern die Historische Bildung.
- Alte Sprachen fördern etwas die Philosophische Bildung.
- Alte Sprachen fördern etwas die Sprachliche Bildung.
- Die Wissenschaftsterminologie ist oft in Griechisch oder Latein abgefasst.


Pseudo-Pro-Argumente:

- Lateiner sind besser in Mathe, weil die Sprache logisches Denken fördert.
=> erwiesenermassen falsch!
- Wenn man Latein hatte, kann man besser Spanisch lernen, als wenn man vorher Französisch hatte.
=> "
- Ohne Latein kann man nicht ernsthaft Wissenschaft betreiben
=> dann würden die Chinesen, Japaner und die meisten US-Amerikaner irgendetwas anderes betreiben
- Lateiner sind moralisch überlegen.
=> eine gefährliche Behauptung: es gibt zwar Beispiele für moralisch überlegene Lateiner, aber ebenso auch umgekehrte Beispiele wie Heinrich Himmler oder seinen Vater Joseph Gebhard Himmler.
- Latein hilft im Berufsleben.
=> eine der gefährlichsten Behauptungen - häufig vertreten von berufsfernen Altphilologen;
es gibt in Wirklichkeit nur noch wenige Personalchefs, die so denken; einige lachen sogar darüber
- Häufig wird darauf hingewiesen, dass der Altsprachenunterricht an besonders exklusiven Bildungsinstitutionen grossgeschrieben wird (vergleichbar mit Klassischer Musik).
=> Das ist bedingt richtig. Aber die Stärke dieser Institutionen liegt nicht an Lateinselbst. Sie liegt daran, dass Menschen aus der Oberschicht ihre Kinder dort hinschicken und dass durch die hohen Anforderungen Kinder aus Unterschichten herausgesiebt werden.


Anti-Argumente: Gefahren der Alten Sprachen:

- Durch jede alte Sprache "vergeigt" man sich eine neue und reduziert damit seine Berufschancen.
Eine Ausnahme stellen Sprachgenies dar, für die z. B. 10 Sprachen kein Problem sind. Dann können ruhig 2 alt sein.

- Latein kann durch seinen erheblichen Zeitaufwand Lernenergie von Naturwissenschaften oder von Wirtschaft und Recht abziehen.

- Wegen Latein bleiben viele sitzen oder müssen sogar die Schule verlassen. Dann opfert man seine wichtige Schulkarriere einer alten/toten Sprache.

- Soziologen und Gesellschaftskritiker bemängeln bei Latein, dass es als soziales Auslesekriterium eingesetzt wird. Einige Anhänger der Sprache sehen das aber als positiv (Zitat: "Keine Türken auf dem Humanistischen.").


Fazit:

So sehr man einige Aspekte der Alten Sprachen als Hobby oder Forschungsgegenstand thematisieren und bedingt empfehlen kann, so sehr muss man auch vor der Verherrlichung dieser Sprachen warnen.
Alte Sprachen eignen sich als Ergänzung für historisch, sprachlich oder allgemeinbildungstechnisch Interessierte. Für Wissenschaftler mögen sie sogar notwenig sein. Beruflich muss man vor ihnen aber auf der Hut sein. Der berufliche Nutzen der alten Sprachen ist nämlich extrem gering!

Nachweisen muss man heute für die Studienfächer - wenn überhaupt - fast nur noch das (Kleine) Latinum.
Die angeblichen Lateinfächer Medizin und Jura kann man meist ohne Latinum studieren.
Und in kaum einem Beruf wird das Latinum noch verlangt.

Gefährlich wird diese Diskussion v. a. dadurch, dass Berufsvertreter der Alten Sprachen unseriöse und scheinbar "idealistische" Versprechungen machen, obwohl es ihnen in Wirklichkeit im Kern um ihre eigenen (materiellen) Verbandsinteressen geht.

Mit Latein oder Griechisch wird sicher nicht das Abendland gerettet. Auch in der künftigen globalisierten Welt sind diese Sprachen nicht unverzichtbar. Es handelt sich hier lediglich um Scheinargumente. Zuletzt müssen wir noch warnen, wenn immer von einer überraschenden "Renaissance des Latein" die Rede und Schreibe ist: Das trifft - wenn überhaupt - nur für Deutschland zu. Aber auch dort werden die Zahlen von interessierten Altphilologenverbänden frisiert.

Ein Kompromiss wäre, Latein als Drittsprache oder AG anzubieten oder gegebenenfalls Altgriechisch als Viertsprache oder AG. Wenn die Zunft aber weiterhin so über den Wolken schwebt, dann könnte es bald heissen... FINIS.




Sonntag, 29. Juli 2012

TV-DOKUS


Geheimer Krieg - Die Operationen der US-Geheimdienste in Deutschland (2013, Phoenix)
[Christian Fuchs, John Goetz, Niklas Schenck]

Die Macht der Ratings (2012, 3sat)

Der Ball ist rund - Im Zentrum der Fussballproduktion (2010, ZDF/ORF/Blackbox)

Lebend Begraben, von Werner Herzog (2010, ZDF)

Manson - Menschensohn (WDR)

Charles Manson Superstar (1989)
[Nikolas Schreck]

Manson (1973)
[Robert Hendrickson, Laurence Merrick]







Montag, 23. Juli 2012

BÖRSENMIEZEN

Clarissa Ahlers

Angelika Ahrens

File:Maria Bartiromo.jpg
Maria "Money Honey" Bartiromo

Ellen Frauenknecht

Anja Kohl

Patrizia Laeri

Sandra Navidi

Patricia Szarvas

Auch Harald Schmidt hat zugegeben, dass er sich "von den Girlies von n-tv" hat aufhetzen lassen.
Doch die Aktien hat er zum falschen Zeitpunkt ge- und verkauft.